Oscar für den besten Dokumentarfilm im Jahr 2000: "Spannender als jeder Thriller"
Dramatisierung mit allen Mitteln: Michael Douglas spricht in der englischen Version den Kommentar.
Von Martin Sauter
Unbestritten: "Ein Tag im September" ruft ein wichtiges Ereignis der jüngeren Geschichte in Erinnerung, beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven ohne Parteilichkeit, ist handwerklich gut gemacht und ist insofern eine wertvolle Quelle (im historischen Sinn), als er wo immer möglich mit Originalaufnahmen arbeitet.
Aber: Hier wird mehr getan als notwendig wäre, damit sich der Zuschauer in die Zeit, in das Ereignis, in die Menschen einfühlen kann. Hier wird mit Musik und Schnitt sehr gezielt eine Dramaturgie aufgebaut, welche auf Spannung und auf Voyeurismus abzielt. Zeitgeschichte als Thriller, authentische Geiselnahmen für das sanfte Gruseln: Das kann man als pietätlos empfinden, vor allem aber ist es sicher der falsche Weg, um die politischen und historischen Zusammenhänge zu vermitteln, welche letztlich hinter dem sensationsträchtigen Ereignis stehen.
Und wenn dann noch die Medien kritisiert werden, welche damals die Geiselnahme live übertragen haben, dann ist dies schlicht bigott: "Ein Tag im September" leistet zwar mehr, baut aber auf dieselbe Schaulust des Publikums. Der Dokumentarfilm-Oskar verwundert deshalb nicht. Der Film ist zwar sehenswert - aber weniger im Hinblick auf die Ereignisse in München als im Hinblick darauf, wie Dokumentarfilm funktioniert und manipuliert.
One Day in September / Ein Tag im September
Kevin Macdonald, 1999