Der nebenstehende Artikel ist in der Zeitschrift Workshop Musiker-Magazin, Special 4/1995 erschienen.

Im Prinzip ja - aber...

Was Sie von einem guten Notensatzprogramm erwarten dürfen

Martin Sauter

Kann man mit jedem Notensatzprogramm Noten drucken? Im Prinzip ja - aber nicht jede Software beherrscht alle Feinheiten unserer Notenschrift. Ausserdem ist der Weg zum Notenblatt mit einigen Programmen länger und steiniger als mit anderen. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei der Wahl eines Notensatzprogramms achten sollten.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Notensatz ist ein weites Feld, und zudem hat jeder seine persönlichen Vorstellungen davon, wie das Ergebnis aussehen soll und wie er dahin kommt. Wenn Sie aber nach einem geeigneten Notensatzprogramm Ausschau halten, wird Ihnen dieser Artikel trotzdem einige wertvolle Hinweise geben können. Er beschreibt, was man von jedem Notensatzprogramm erwarten darf und was es an nützlicher Sonderausstattung gibt.

Konzepte

Notensatzprogramm ist nicht gleich Notensatzprogramm. Aber die einen sind zumindest etwas gleicher als die anderen. Oder anders gesagt: Notensatzprogramme lassen sich in zwei Gruppen unterteilen.

  • Integrierte Programme: Damit sind Sequenzerprogramme gemeint, welche ihre Aufnahmen auch als Noten ausdrucken können. Bekannteste Vertreter dieser Gattung sind Cubase und Logic. Natürlich kann heute fast jedes Sequenzerprogramm den Inhalt seines Noten-Editors irgendwie drucken - aber «irgendwie» genügt nicht, um eine solche Software ebenfalls zu den integrierten Programmen zu zählen.<br />  
  • Spezialisierte Programme: Darunter verstehe ich Programme, die ausschliesslich auf Notensatz ausgerichtet sind. Das ist schon daran zu erkennen, dass man hier direkt auf dem Notenblatt arbeitet - sequenzertypische Programmteile wie etwa Arrange-Fenster fehlen, und die Aufnahme- resp. Wiedergabemöglichkeiten über MIDI sind sehr einfach gehalten.

Das Schöne an integrierten Programmen ist, dass sie MIDI-Aufnahmen (manchmal auch digitale Audio-Aufnahmen) und Notensatz in sich vereinen. Wer alle Funktionen gleichermassen nutzt, braucht nur ein einziges Programm, zudem wird die Umsetzung von Sequenzeraufnahmen in Noten optimal unterstützt. Der Nachteil: Ohne den Sequenzerteil einer solchen Software verstanden zu haben, kann man auch ihre Notensatzfunktionen schlecht nutzen. Ausserdem sind - zumindest in frühen Programmversionen - die Sequenzerfunktion meist weiter entwickelt als der Notensatz.

Solange Sie nur einfache Einspiel- und Wiedergabemöglichkeiten brauchen oder ein separates Sequenzerprogramm verwenden, sind reine Notensatzprogramme vorzuziehen. Die Arbeitsweise orientiert sich ausschliesslich an den Bedürfnissen eines Notenschreibers, und oft sind auch die Gestaltungsmöglichkeiten ausgereifter.

Eingabemethoden

Wie kommen die Noten in den Computer? Hier gibt es vier Verfahren, die von jedem Notensatzprogramm unterstützt werden sollten:

  • Echtzeitaufnahme über MIDI: Diese Methode macht den Traum eines jeden Musikers wahr. Man spielt auf seinem MIDI-Instrument, und der Computer stellt das Gespielte automatisch in Notenschrift dar. Dieser Traum kann allerdings zum Alptraum werden, wenn man nicht absolut exakt zum Metronom spielt - rhythmische Ungenauigkeiten schlagen sich zwangsläufig in einem unleserlichen Notenbild nieder. Die mühsame Nachbearbeitung solcher Aufnahmen kann durch Quantisierungsfunktionen, die möglichst auch sehr kurze Pausenwerte und leicht überlappende Töne ausschalten sollten, wesentlich verkürzt werden. Nützlich ist auch, wenn man triolische Noten und Synkopen wahlweise erlauben oder unterdrücken kann.<br />  
  • Import von Sequenzeraufnahmen: Diese Methode ist mit der ersten eng verwandt. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die MIDI-Aufnahme nicht mit dem Programm selbst, sondern mit einem anderen Sequenzerprogramm gemacht wird. Die Quantisierungsfunktionen sind auch in diesem Fall wichtig. Von Bedeutung ist ausserdem, welche Dateiformate ein Notensatzprogramm lesen kann. Standard MIDI Files müssen auf jeden Fall importiert (und auch exportiert) werden können.<br />  
  • Schritteingabe über MIDI: In diesem Fall wird das MIDI-Instrument lediglich dazu genutzt, um die Tonhöhe zu bestimmen. Position und Wert jeder Note dagegen werden entweder mit der Maus oder (für geübte Benutzer vorteilhaft) über die Computertastatur voreingestellt.<br />  
  • Eingabe mit der Maus: Dieses Verfahren entspricht am ehesten der Notation von Hand. Mit der Maus werden die Symbole aus einer Palette ins Notat eingefügt und bei Bedarf auch wieder gelöscht, verschoben, umgeformt etc. Im Gegensatz zu den anderen drei Methoden kann man mit dieser nicht nur Noten und Pausen, sondern auch alle anderen Symbole der Notenschrift eingeben.

Natürlich muss man sich in der Praxis nicht für eine dieser Methoden entscheiden, sondern kann beliebig zwischen ihnen wechseln. Um die Arbeit mit der Maus kommt man sowieso nicht herum, da die gesamte Nachbearbeitung auf diese Weise erfolgt: Das beginnt bei der Korrektur von falschen Noten, geht weiter mit dem Einfügen von Dynamik- und Artikulationssymbolen sowie Texten und endet schliesslich bei den zahlreichen Layoutarbeiten.

Harmonische Darstellung

Es ist selbstverständlich, dass MIDI-Noten gemäss der geltenden Tonart mit den nötigen Versetzungszeichen notiert werden. Dies gilt auch dann, wenn die Tonart nachträglich verändert oder die Musik transponiert wird. Nicht auszuschliessen sind aber enharmonische Verwechslungen bei tonartfremden Noten, dass also ein Fis als Ges notiert wird. Ein Befehl, der einzelne Noten in die jeweils andere Darstellung umwandelt, darf deshalb nie fehlen.

Normalerweise werden Versetzungszeichen nur vor tonartfremde Noten gesetzt. Ausserdem gilt ein solches Versetzungszeichen immer bis zum nächsten Taktstrich - andernfalls muss es aufgelöst bzw. wiederholt werden. Diese Regeln muss jedes Notensatzprogramm beherrschen. Wenn Sie allerdings jede tonartfremde Note und jede Auflösung kennzeichnen wollen, dann sollte das Programm auch dies automatisch erledigen. Niemals fehlen darf zudem die Möglichkeit, einzelne Noten manuell mit einem (normalerweise in Klammern gesetzten) erläuternden Versetzungszeichen zu ergänzen.

Rhythmische Darstellung

Bekanntlich muss die Summe der Noten- und Pausenwerte in einem Takt immer gleich gross sein wie die derzeit geltende Taktart. Gewisse Notensatzprogramme sorgen automatisch dafür, dass hier keine Fehler passieren, andere übernehmen lediglich eine beratende Funktion.

Die radikalste Methode besteht darin, dass das Programm die Takte automatisch mit Pausen auffüllt. Und sollte es dem Benutzer einfallen, eine Note in einen bereits vollen Takt einzufügen, so wird diese Note entweder gar nicht akzeptiert oder aber in den nachfolgenden Takt verschoben. Das alles ist im Normalfall sehr praktisch, kann aber im Spezialfall zu Problemen führen. Sobald etwa Vorschläge oder andere ausnotierte Verzierungen vorkommen, dürfen diese von der Automatik nicht mitgerechnet werden.

Andere Methoden verlangen vom Benutzer mehr Eigenverantwortung, gewähren ihm aber auch mehr Freiheiten. So gibt es Programme, welche nur auf Befehl die vorhandenen Noten und Pausen korrekt auf die Takte verteilen. Andere beschränken sich auf eine Warnung, wenn in einem Takt die Summe der Noten und Pausen nicht stimmt.

Notation und MIDI

Aufnahme und Wiedergabe eines Notats über MIDI sollte jedes Notensatzprogramm beherrschen. Allerdings werden in beiden Fällen oft nur Tonhöhe und -dauer berücksichtigt, während etwa Dynamik und Artikulation nicht umgesetzt werden. Eine gute Software sorgt für eine weitergehende Übereinstimmung von geschriebenen Noten und klingender Musik (d.h. den MIDI-Daten).

So gibt es Programme, welche zumindest einige der mit der Maus eingefügten Symbole in die MIDI-Wiedergabe einbeziehen. Dynamiksymbole und Akzente wirken sich auf Volumen bzw. Anschlagsdynamik aus, Artikulationszeichen auf die Länge einer MIDI-Note. Im besten Fall kann der Benutzer die entsprechenden Werte selbst einstellen. Auch Pedalzeichen oder Temposymbole werden gelegentlich berücksichtigt. Wer allerdings ein Programm findet, das auch Crescendi, Bindebögen, Fermate, Ritardandi, Triller, Arpeggi oder Wiederholungen (womöglich gar mit unterschiedlichen Schlüssen) unterstützt, kann sich glücklich schätzen.

Der umgekehrte Vorgang - dass also aufgrund der MIDI-Daten automatisch entsprechende Symbole gesetzt werden - ist völlig unüblich. In diesem Fall müssen Sie das Notat von Hand ergänzen.

Symbole

Notensatzprogramme funktionieren nach dem Prinzip, dass vorgefertigte Symbole in Notensystemen angeordnet werden. Diese Symbole können allenfalls in ihrer Grösse und Form verändert werden; wenn aber ein bestimmtes Symbol ganz einfach fehlt, dann stehen Sie im Regen. Somit ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Symbolvorrat eines Notensatzprogramms wohlgefüllt ist. Aus Platzgründen kann ich hier nicht alle wünschbaren Symbole auflisten, die Liste würde auch je nach Anwendungsgebiet sehr unterschiedlich aussehen.

Wenn Sie sehr spezielle Symbole benötigen, kann es sein, dass kein Programm alle Anforderungen erfüllt. Einige wenige bieten jedoch einen integrierten Symboleditor, mit dem Sie die fehlenden Zeichen selbst entwerfen können. Andernfalls können Sie sich mit einem Trick behelfen: «Getarnt» als Text lassen sich nämlich auch Zeichen aus Symbol- oder anderen Notenzeichensätzen einfügen. Diese Variante ist aber wenig komfortabel und nur für Notfälle empfehlenswert.

Akkordsymbole

Akkordsymbole werden - ausser in der klassischen Musik - häufig verwendet, um die den Noten zugrundeliegenden Harmonien anzugeben. Das kann in textueller Form (z.B. C maj 7/9) oder durch Gitarrengriffbilder geschehen.

In beiden Fällen ist es wünschenswert, dass die Symbole an bestimmte Noten gebunden werden können. Damit ist einerseits die grafische Ausrichtung der Symbole sichergestellt, andrerseits werden bei einer allfälligen Transponierung der Noten auch die Akkordsymbole angepasst. Ganz nützlich ist es ferner, wenn das Programm über eine Akkorderkennung verfügt - allerdings muss man sich bewusst sein, dass es für eine bestimmte Notenkombination meist mehrere korrekte Akkordbezeichnungen gibt. Wünschenswert ist auch, dass eine textuelle Akkordbezeichnung automatisch in ein Griffbild überführt werden kann und umgekehrt.

Textuelle Akkordsymbole werden oft mit Sonderzeichen und hoch- bzw. tiefgestellten Zusätzen notiert. Idealerweise übernimmt das Programm diese Gestaltungsaufgaben selbst, während der Anwender lediglich in einem Dialog den gewünschten Akkordtyp anzugeben braucht. Die spezifische Schwierigkeit bei Griffbildern besteht darin, dass derselbe Akkord auf ganz unterschiedliche Weisen gegriffen werden kann. Das bedingt einen ausreichend grossen Vorrat an Griffbildern, noch besser aber frei editierbare Griffbilder.

Spezielle Instrumente

Die meisten Instrumente werden auf fünf Notenlinien mit runden Notenköpfen notiert. Für bestimmte Saiten- sowie für Schlaginstrumente gibt es allerdings spezielle Notierungen, die nicht jedes Notensatzprogramm uneingeschränkt beherrscht.

Für Gitarren werden oft Tabulaturen verwendet. Statt der absoluten Tonhöhe gibt diese Darstellung an, welche Saite in welchem Bund gegriffen werden muss, um den Ton zu erzeugen. Somit braucht man also Notensysteme mit sechs Linien (entsprechend den sechs Saiten), und als Notenköpfe sind Ziffern zu setzen. Angenehm ist es, wenn eine konventionelle Notation direkt in eine Tabulatur überführt werden kann. Da allerdings derselbe Ton auf unterschiedlichen Saiten in jeweils unterschiedlichen Bünden gegriffen werden kann, ist eine manuelle Eingriffsmöglichkeit unverzichtbar.

Schlaginstrumente werden sehr unterschiedlich notiert. Einzige Gemeinsamkeit ist ein spezieller Schlüssel, der am Anfang eines Systems mit einer, zwei, drei oder auch fünf Notenlinien steht. Eine ähnliche Vielfalt herrscht bei den verwendeten Notenköpfen, wobei mehrere Instrumente innerhalb eines Systems typischerweise über die Kopfform unterschieden werden. Wenn Sie Rhythmen über MIDI einspielen wollen, dann kommen Sie kaum ohne editierbare Zuordnungs abellen aus. Diese Drum Maps, wie sie oft genannt werden, ordnen jeder MIDI-Notennummer eine Notenlinie und eine Notenkopfform zu.

Natürlich gibt es neben Gitarren und Schlaginstrumenten noch weitere Instrumente, die besondere Anforderungen an die Notation stellen. Dazu gehört etwa die transponierte Darstellung von gewissen Blasinstrumenten, die allerdings jedes Programm beherrschen sollte. Ausserdem kennt fast jede Instrumentengruppe ihre spezifischen Symbole, welche Bogenführung, Blas-, Atem-, Zupf-, Griff- und Schlagtechnik, Pedaleinsatz und vieles mehr kennzeichnen.

Gestaltung von Symbolen

Die Abstände zwischen neu eingefügten Noten werden normalerweise vom Programm automatisch gesetzt. Längere Notenwerte erhalten dabei mehr Raum zugewiesen als kürzere. Da es aber unschön wäre, wenn eine doppelt so lange Note einfach einen doppelt so grossen Abstand erhalten würde, müssen hier spezielle Skalen angewendet werden. Idealerweise stehen mehrere (vielleicht sogar editierbare) Skalen zur Auswahl. Zudem ist es unabdingbar, dass einzelne Noten manuell verschoben werden können, um auch in schwierigen Fällen eine optimale Gestaltung zu erreichen.

Was die Länge und Ausrichtung der Notenhälse sowie die Balkenbildung zwischen kurzen Notenwerten angeht, so sollte das Programm sinnvolle Vorschläge machen, aber nicht darauf beharren, wenn es der Benutzer im Einzelfall anders haben möchte. Genau gleich verhält es sich mit Versetzungs-, Dynamik- und Artikulationszeichen: Es ist sehr angenehm, wenn das Programm solche Symbole selbständig auf die zugehörige Note ausrichtet - aber wenn dadurch einmal mehrere Symbole übereinander zu liegen kommen, muss man als Benützer eingreifen können.

Text

Jedes Notensatzprogramm muss zumindest zwei Typen von Text unterscheiden: freien Text und Lyrics (d.h. Gesangstext). Lyrics haben zwei wichtige Eigenschaften: 1. Sie werden automatisch unter der gewünschten Note horizontal und vertikal ausgerichtet. 2. Werden Noten später noch verschoben, so wandern ihre Lyrics mit. Freier Text dagegen kann nach Belieben auf dem Blatt positioniert werden und bleibt auch dort.

Bei den Lyrics gibt es allerdings Feinheiten, die nicht jedes Programm beherrscht. Wenn sich einzelne Silben wegen zu eng stehender Noten überlappen, ist es angenehm, wenn die Notenabstände automatisch vergrössert werden. Nicht fehlen darf die Möglichkeit für mehrstrophige Gesangstexte: Schliesslich wollen Sie nicht, dass die automatische Ausrichtung alle Strophen auf dieselbe Zeile druckt. Ferner beschleunigt es die Arbeit, wenn man die Lyrics zuerst als Ganzes in ein Textfenster eintippen und anschliessend in die Noten einfliessen lassen kann.

Alles, was nicht Gesangstext ist, kann man grundsätzlich als freien Text eingeben. Falls es hier noch die Möglichkeit gibt, den Text wahlweise an einen Takt, ein System oder eine Seite zu binden - um so besser. Lediglich eine Frage des Komforts sind Dialoge, in denen man Werktitel, Komponist, Systembeschriftung, Kopf- und Fusszeilen u.a. eingeben kann, welche dann vom Programm selbständig plaziert werden. Eine weitere nette Beigabe sind Textmakros, dank denen häufig wiederkehrende Textstücke per Mausklick eingefügt werden können. Dass Takt- und Seitennummern automatisch gesetzt werden, ist dagegen selbstverständlich.

Zu einem ansprechenden Notenbild gehört eine einheitliche Typographie. Innerhalb eines Notats sollten also Texte vom gleichen Typ immer in derselben Schrift erscheinen. Somit sind definierbare Textformate fast unverzichtbar, welche Einstellungen bezüglich Zeichensatz, Schriftgrösse und -schnitt erlauben. Neben den meist standardmässig vorhandenen Textformaten für Titel, Lyrics u.ä. sind auch frei nutzbare Textformate wünschenswert.

Ob gross, ob klein...

Unverzichtbar für ein exaktes und bequemes Arbeiten ist eine Zoomfunktion für die Bildschirmanzeige. Sie muss einerseits eine komplette Druckseite auf dem Bildschirm darstellen können, andrerseits brauchen Sie für Feinarbeiten eine vergrösserte Darstellung, welche idealerweise so weit reichen sollte, dass ein Bildschirmpixel genau einem Punkt des Druckers entspricht. Damit Sie den gewünschten Ausschnitt immer in der optimalen Grösse sehen können, ist eine mehr oder weniger stufenlose Zoomfunktion notwendig.

Davon unabhängig braucht man eine Skalierungsmöglichkeit für den Druck, damit auch Partituren mit vielen Instrumenten auf einer A4-Seite Platz finden. Dabei sollte das gesamte Notat in Prozentschritten verkleinert werden können, ohne dass die System-, Symbol- und Schriftgrössen einzeln geändert werden müssen.

Schliesslich sollte ein Notensatzprogramm auch unterschiedliche System- und Symbolgrössen innerhalb eines Notats unterstützen. Miniatursysteme verwenden Sie beispielsweise, um in der Klavierstimme eines Trios die beiden anderen Stimmen in verkleinerter Darstellung mitabzudrucken. Miniaturnoten innerhalb eines Systems brauchen Sie, um Verzierungen wie Vorschläge, Schleifer oder Triller auszunotieren.

Partituren, Instrumente, Stimmen

Natürlich kann man mit jedem Notensatzprogramm Partituren notieren. Die maximale Anzahl der Instrumente ist dabei meist so hoch angesetzt, dass sie einen nicht zu kümmern braucht. Die kritische Frage ist eher, wie man aus einer Partitur Einzelstimmenauszüge gewinnen kann. Hier gibt es zwei Konzepte:

Die eine Möglichkeit besteht darin, von einem einzelnen Instrument der Partitur eine Kopie anzulegen. Dabei entsteht ein eigenständiges Dokument, das bei Bedarf noch optimiert und ergänzt werden kann, ohne dass die Partitur davon betroffen wird. Allerdings muss man sich angewöhnen, diesen Einzelstimmenauszug erst dann zu erzeugen, wenn die Partitur bereits fertig ist - sonst muss man alle Änderungen, die für Einzelstimme und Partitur gemeinsam gelten sollen, an zwei Orten vornehmen.

Die andere Möglichkeit besteht darin, alle Instrumente bis auf eines vorübergehend auszublenden, um jenes zu drucken. In diesem Fall ist das Instrument im Einzelstimmenauszug natürlich exakt gleich notiert wie in der Partitur, und es spielt keine Rolle, in welcher Ansicht man Änderungen vornimmt. Dafür können höchstens gewisse Layout-Einstellungen für Partitur und Einzelstimme individuell vorgenommen werden.

Gelegentlich sollen mehrere Instrumente resp. Gesangsstimmen nicht nur in einer Partitur, sondern in einem einzigen System zusammengefasst werden. Damit sie trotzdem einzeln lesbar bleiben, müssen Notenhälse, Balken, Pausen etc. der einzelnen Stimmen unabhängig voneinander gehandhabt werden können. Zumindest zwei Stimmen pro System (vier in einem Doppelsystem) sollte jedes Notensatzprogramm bieten.

Umbruch und Layout

Sind einmal alle Symbole eingegeben (wofür möglichst eine Endlosdarstellung zur Verfügung stehen sollte), dann müssen diese auf Zeilen und Seiten umgebrochen werden. Normalerweise erfolgt der Zeilenumbruch automatisch, wobei die (absolute oder maximale) Zahl der Takte pro Zeile durch den Benutzer vorgegeben wird. Ein einzelner Takt sollte aber immer auch manuell auf eine benachbarte Zeile verschoben werden können, um den Umbruch in ästhetischer und musikalischer Hinsicht zu optimieren.

Damit jede Zeile genau mit einem Taktstrich endet, müssen die Takte zwangsläufig etwas gedehnt oder gestaucht werden. Dazu vergrössert oder verkleinert das Programm alle Notenabstände auf einer Zeile um den gleich Faktor, damit das Verhältnis der Abstände erhalten bleibt. Dass dabei alle an einzelne Noten gebundenen Zeichen mitverschoben werden, ist selbstverständlich - aber nicht jedes Notenprogramm passt auch die über mehrere Noten verlaufenden Zeichen (z.B. Bindebögen oder Crescendo-Gabeln) gleich gut an. Besonders kritisch wird es, wenn solche Zeichen über Taktgrenzen hinweg verlaufen und diese Takte durch den Umbruch auf unterschiedlichen Zeilen plaziert werden.

Zuletzt müssen noch die System- und Zeilenabstände sowie - damit direkt zusammenhängend - die Anzahl der Zeilen pro Seite festgelegt werden. Viele Programme erlauben die Definition eines Rasters, welches ein gleichmässiges Layout für die gesamte Komposition erzeugt. Darüber hinaus sollten die Systemabstände innerhalb einer Zeile sowie die Zeilenabstände immer auch individuell nachkorrigiert werden können. Ausserdem sollte es möglich sein, eine einzelnes System einer einzelnen Zeile auszublenden, wenn das betreffende Instrument dort gerade pausiert.

Handbücher und Online-Hilfen

Leistungsfähige Notensatzprogramme verlangen vom Benutzer eine nicht geringe Sachkenntnis - daran führt kein Weg vorbei. Gute Handbücher und eine ebensolche Online-Hilfe sind deshalb besonders wichtig.

Handbücher sind idealerweise dreigeteilt: Neben der Installationsanleitung ist eine Einführung anhand eines konkreten Beispiels (engl. Tutorial) sowie ein Nachschlageteil (engl. Reference) wünschenswert. Dieser Nachschlageteil sollte möglichst so aufgebaut sein, dass man einerseits unter den programmeigenen Begriffen (z.B. Menübefehle, Parameternamen), andererseits aber auch unter den musikalischen Begriffen fündig wird.

Eine Online-Hilfe kann kein Handbuch ersetzen - aber ergänzen. Wichtiger als möglichst ausführliche Erklärungen ist eine optimale Gliederung, damit man schnell findet, was man sucht. Ein möglichst vollständiger Index, allenfalls sogar eine Volltextsuche in den Hilfetexten können viel dazu beitragen. Komfortabel sind Hilfesysteme mit Hypertextstruktur, bei denen man Querverweise durch einen Mausklick verfolgen kann.

Eine für deutschsprachige Anwender leidige Sache ist, dass viele Programme und Anleitungen in englisch abgefasst sind. Auch bei «deutschen» Versionen sind oft nur das Handbuch und die Online-Hilfe, nicht aber die Menüs und Dialoge des Programms übersetzt. Erfreulicherweise bemühen sich aber gerade amerikanische Hersteller in letzter Zeit vermehrt um die deutschsprachige Kundschaft - wenn auch für die deutsche Version meist ein Aufpreis zu bezahlen ist.

Systemvoraussetzungen

Auch wenn es hier keine himmelweiten Unterschiede gibt, so sollten Sie doch darauf achten, welche Anforderungen ein Programm an die Ausstattung Ihres Rechners stellt. Neben dem Speicherbedarf (RAM und Festplatte) spielen die Betriebssystemversion und vor allem der Prozessortyp eine wichtige Rolle.

Die entsprechenden Angaben des Herstellers sind übrigens als Minimalvoraussetzungen zu verstehen, unter denen ein Programm zwar läuft, aber seine Qualitäten nicht unbedingt voll entfalten kann. Grafiken - und solche erzeugt ja ein Notensatzprogramm - sind ziemlich rechenintensiv, und langsame Rechner können schon ein bisschen in die Knie gehen, wenn sie den Bildschrim neu aufbauen müssen. Weil dies nicht nur beim Blättern oder Zoomen, sondern nach fast jeder Änderung am Notat fällig wird, sollten Sie besser etwas mehr als die Minimalkonfiguration besitzen. Clevere Programme holen allerdings aus derselben Hardware mehr Tempo heraus als andere.

Noch ein Wort

Was ist nun der langen Rede kurzer Sinn? Ganz einfach: Dass man auf unheimlich viele Dinge achten muss, wenn man mit seinem Notensatzprogramm glücklich werden will. Natürlich können Sie nicht alle Punkte im Detail abklären. Ich würde eher vorschlagen, dass Sie sich aufgrund dieses Artikels eine persönliche Checkliste zusammenstellen, was Ihr Programm unbedingt können muss. Diese Checkliste sollten Sie dann 1 zu 1 am Programm selbst überprüfen - bei dieser Gelegenheit können Sie auch gleich herausfinden, wie gut Sie mit dem Bedienungskonzept eines Programms zurechtkommen. Falls Sie übrigens keinen Händler finden, bei dem Sie diesen Test durchführen können: Es gibt von vielen Programmen auch Demoversionen.

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